Gutes Styling entsteht im Zusammenspiel
- 12. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Wie wir Proportionen erkennen und integrieren
Bist du zufrieden mit deinem Körper? Wahrscheinlich nicht.
Der idealtypische Körper ist Wunsch- und Feindbild seit Menschengedenken. Und das, obwohl sich Schönheitsideale ständig wandeln.
Während wir in den 90er vom Baywatch-Look träumten und Brustvergrößerungen ihren Höchststand erreichten, machten die 2000er eingefallene Wangen und durchscheinende Rippen zum Ideal. Eine kurze Phase der „Natürlichkeit“ in den frühen 2010ern, wurde gegen Ende des Jahrzehnts vom Balletcore-Körper abgelöst, der bis heute vor allem zierliche Silhouetten feiert.
Body-Positivity ist gut gemeint. Gegen die permanente Präsenz perfektionierter Körperbilder wirkt sie in den Sozialen Netzwerken dabei oft erstaunlich machtlos.
Vielleicht ist vollständige Selbstliebe auch gar nicht das Ziel. So wenig perfekt unser Charakter ist, ist auch unser Körper Stückwerk. Auf zwei Stellen, die wir mögen, folgt eine, die wir lieber verstecken wollen.
Hüfte zu breit, Schenkel zu dick, Po zu flach, Brust zu klein, Hals zu lang, Schultern zu rund.
Entscheidend ist deshalb eher nicht, ob wir alles schön finden, sondern ob wir lernen, die schönen Bereiche stärker wahrzunehmen.
Mein Ziel ist, genau damit zur arbeiten. Ein ganzheitliches Styling, das Vorzüge betont, sie in den Mittelpunkt stellt und darauf aufbaut - während ungeliebte Bereiche integriert werden, ohne sie verstecken zu müssen.
Proportionen integrieren statt kaschieren
Während früher vor allem das „Kaschieren“ unbeliebter Zonen zum Ziel genommen wurde, verfolgt modernes Styling den Ansatz des „Integrieren“ und der visuellen Balance.
Statt Proportionen zu verstecken, werden sie gelesen, verstanden und miteinbezogen.
Das ist ein riesiger Sprung, den sich vor allem Creator:innen zu Nutze gemacht haben.
Sie verstecken nicht mehr, sondern lenken den Blick bewusst auf die Zonen, die die sie selbst am schönsten an sich finden.
Volumen und Überhänge werden durch gezielte Linienführung und bewusste Schwerpunktsetzung integriert, stabile Bereiche gestärkt und der Fokus verlagert.
Size 6,8,14,16 - ziemlich egal, das Styling stimmt!
Taille, Beine oder Brust - die Creatorinnen lenken den Blick auf ihre Lieblingszonen.
Unsere Vorzüge erkennen
In meiner Stilberatung beginne ich beim Gesicht. Als Zentrum und Blickfang. Ich übersetze Gesichtszüge in Schnitte, Formen, Materialien und passe diese anschließend auf Proportionen und Körper an. Oft harmonieren unsere Gesichtszüge bereits so mit unserem Körper, dass nur Feinjustierung notwenig ist.
Gerade für diese Feinjustierung ist dennoch wichtig herauszufinden, welche Körperbereiche du an dir liebst und welche im Mittelpunkt stehen sollen.
Das können lange Beine, eine schmale Taille, eine schöne Brust oder ein wohlgeformter Po sein, aber auch Feinheiten wie Handgelenke oder Fesseln, ein eleganter Hals, gerade Schultern oder ein ästhetisches Schlüsselbein. Unseren Vorzügen sind keine Grenzen gesetzt - wir müssen sie nur erkennen.
Ich mag zum Beispiel meine Beine, Handgelenke und Fesseln gern. Meine Schultern gefallen mir auch. Brust und Bauch betone ich lieber nicht.
Und ich glaube, genau hier liegt der Unterschied: Wir können etwas verstecken - oder einfach nicht betonen. Denn wenn wir verstecken, wirken wir schnell gehemmt - im Ganzen unsicher. Wenn wir „einfach nicht betonen“ und den Blick auf das lenken, was wir mögen, wirken wir souverän, natürlich und selbstverständlich.

Birne, Apfel, Obstsalat - Das Problem mit den Typisierungen
Wir kennen alle die verschiedenen Figurtypen nach Obst oder Formen. X ist die schmale Taille, der O-Typ hat einen runden Bauch, auch Apfel genannt. Die Birne verlagert ihr Gewicht auf den Po und die Beine und der H-Typ ist dann der - ja was - ein Lauch?
Ich arbeite ungern mit Typisierungen - wahrscheinlich, weil ich selbst in keine passe. Wir sind nicht umsonst so individuell, dass ein Schema X kaum reicht.
Was wir aber hoffentlich immer haben werden, sind „Lieblingszonen“ unseres Körpers und so lang wir die in den Mittelpunkt rücken, fällt es leichter, ungeliebte Bereiche zu akzeptieren, statt nur zu kaschieren.
Ich zeige dir in diesem und den folgenden Artikeln, wie du deine Vorzüge am besten in Szene setzt.
Teil 1: Schmaler Oberkörper - breite Hüfte
Laut Typisierung bist du ein A-Typ oder eine Birne. Vielleicht bist du aber auch eine sehr zarte Person, deren Hüfte oder Po minimal hervorsticht. Auch wenn deine Gesamterscheinung zart bleibt, wirst du dich daran eventuell stören. Was du aber ziemlich sicher mitbringst, ist eine schöne Taille und einen feinen Oberkörper. Womöglich hast du auch schöne Schultern, oder einen hinreißenden Hals? Und hast du deine Schlüsselbeine schon einmal betrachtet? Sind sie genauso hübsch, wie deine Handgelenke?
Was ich dir sagen will: Ja - wenn du Hüfte und Schultern gegenüberstellst, wirst du merken, dass nicht beide gleich breit sind. Das ist Fakt. Und gleichzeitig liegt genau darin oft die Schönheit dieser Proportion.
Denn während viele versuchen, die Hüfte „wegzubekommen“, übersehen sie, wie weich, weiblich und lebendig diese Silhouette eigentlich wirkt. Bewegung steht ihr unglaublich gut. Stoffe, die fließen. Röcke, die beim Gehen mitschwingen. Hosen mit etwas Weite, Wickelkleider, Taillenbetonung. Alles, was den Körper nicht hart einrahmt, sondern seine Linien mitnimmt.
Gerade schmale Oberkörper wirken außerdem oft wunderschön in offenen Ausschnitten oder feinen Trägern. Vielleicht kannst du Schlüsselbeine zeigen, den Hals betonen oder den Blick auf dein Gesicht lenken. Vielleicht stehen dir sogar größere Ausschnitte besser als vielen anderen, weil dein Oberkörper so fein wirkt.
Du bist auch jemand, der High Waist und gecroppte Tops oder Pullover gut tragen kann. Und wenn du Lust auf betonte Schultern hast, wirken sie zur Hüfte gleich noch harmonischer.
Zarte Taille, betonte Schultern oder Halsbereich - wer den Blick nach oben zieht, verändert die gesamte Wirkung.
Und weißt du, was ich spannend finde? Viele Frauen mit dieser Figur sehen sich selbst ausschließlich „von unten“. Sie denken zuerst an die Hüfte. Andere Menschen nehmen aber oft etwas völlig anderes wahr: die Taille. Die Zartheit, die Bewegung, die Eleganz im Oberkörper. Denn Wirkung entsteht nie nur an einer Stelle, sondern immer im Zusammenspiel.
Deshalb funktioniert Styling oft auch nicht über „Kaschieren“, sondern über Schwerpunktsetzung. Wenn der Blick geführt wird, verliert die Hüfte nicht ihre Existenz – aber sie wird Teil eines Gesamtbildes, statt das ganze Bild zu sein.
Und vielleicht ist genau das der entscheidende Unterschied. Nicht gegen den eigenen Körper zu arbeiten, sondern zu verstehen, wo seine Schönheit eigentlich liegt.
Vielleicht hast du beim Lesen gerade zum ersten Mal nicht nur gesehen, was du verstecken möchtest, sondern auch, was an dir eigentlich besonders schön ist.
Genau dort beginnt für mich Wirkung.
In den nächsten Artikeln geht es um:
schmaler Körper, große Brust
breite Schultern, kleiner Kopf
runder Bauch, schmale Beine
Und darum, wie wir Proportionen nicht verstecken, sondern bewusst ins Gesamtbild integrieren.















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