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Dazwischen #2: Stehenbleiben

  • 6. März
  • 1 Min. Lesezeit

Ich merke, wie ich mich antreiben lasse. Schneller, sichtbarer, klarer, besser. Als gebe es ein Ziel.


Doch während ich keuchend stehen bleibe, vornübergebeugt die Ziellinie suche, überfällt mich eine Ahnung: Ich renne - und weiß gar nicht wohin.


Optimierung suggeriert Unabhängigkeit. Wenn ich besser bin, klüger, lauter und sichtbarer, dann bin ich frei. Dann brauche ich niemanden, dann kann mir keiner was.


Dabei übersehe ich, dass dieses „besser als“ mich bindet.

Ich vergleiche, messe und ordne mich ein. 


Das ist nicht autonom, das ist Abhängigkeit im Wettbewerbsformat.


Was wäre, wenn ich jetzt einfach stehenbleibe, warte, bis sich mein Atmen reguliert, die Schmerzen nachlassen. 


Vielleicht ziehen die anderen vorbei, sehe sie bald nur noch von hinten.


Aber vielleicht spüre ich auch, dass meine Autonomie genau hier beginnt.

Nicht im Vorbeiziehen, sondern im Bei-mir-Stehenbleiben.


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