Warum das Stuttgart-Sign zu Stuttgart passt, die Identität der Stadt aber nicht prägen wird
- 24. März
- 2 Min. Lesezeit
Die Diskussion um das geplante Stuttgart-Sign wird ziemlich emotional geführt:
Zu teuer, zu banal, zu austauschbar oder ganz im Gegenteil: ein stylischer Spot für eine Stadt, die der Welt zeigen will: Uns gibt es. Und wir wollen genauso anziehend sein wie Toronto oder San Francisco.
Beide Perspektiven greifen mir zu kurz. Interessanter wird die Frage, wenn man sie anders stellt:
Für wen soll sich dieses Zeichen eigentlich stimmig anfühlen?

Alternative des Stadtpalais, sicher keine 470.000 Euro Kosten. Bild: Kessel TV
Stuttgart ist keine klassische Städtereisedestination. Die meisten Menschen kommen nicht mit einer klaren touristischen Vorstellung, sondern aus beruflichen Gründen. Auch Events wie Fußball, Wasen oder Weindorf sind in den Zahlen nicht zu unterschätzen. Jährlich werden über 120 Millionen Tagesreisen verbucht.
Wieder andere landen rein zufällig hier. Auf Durchreise oder für einen kurzen Aufenthalt. Eine ausgeprägte Erwartung an ihre Destination fehlt vermutlich auch hier. Was sie suchen, ist weniger Identität, als einen Moment des: „Ich war hier“.
Bei Aufenthalten dieser Art funktioniert so ein Schild. Ein Schriftzug mit einer simplen Bedürfniserfüllung: Er markiert einen Ort, bietet einen Schauplatz oder einen Treffpunkt.
Und er schafft Bilder, die sich über Social Media verbreiten lassen.
In diesem Sinne ist das Stuttgart-Sign durchaus stimmig zur aktuellen touristischen Realität der Stadt.
Doch genau darin liegt auch seine Grenze.
Ein Stadtschild erzählt nichts über die Stadt selbst. Es sagt schlicht ihren Namen. Aber ohne Verweis auf das, was diese Stadt eigentlich ausmacht. Und wenn man sich das genau anschaut, ist es gar nicht so wenig: Ingenieurskunst, Automobilgeschichte, Internationalität, Weinberge im Stadtkessel, Weite und Blick, Architekturschätze und eine ungewöhnlich dichte Kulturlandschaft.
Aber auch Baustellen, Staus, Rationalität, Zurückhaltung und eine gewisse Trägheit prägen das Bild dieser Stadt.
Das Schild allein enthält von all dem nichts. Nicht einmal Ironie. Und es wird genau die Menschen nicht überzeugen, die Erwartungen an die Identität einer Stadt haben oder sich sogar schon mit ihr beschäftigt haben.
Vielmehr stabilisiert es ein bestehendes Besuchsmuster, statt ein neues zu schaffen.
Was mir in der Debatte deshalb fehlt, ist genau diese strategische Perspektive: Welche touristische Identität will die Stadt spielen und welche Besuchergruppen möchte sie damit ansprechen?
Das Stuttgart-Sign ist also weder der große Fehler, für den manche es halten, noch die große Lösung, als die es gelegentlich verkauft wird. Es ist vor allem eines: ein Zeichen, das gut zur aktuellen touristischen Situation der Stadt passt, ohne sie wirklich zu verändern.
Ein Vorschlag zur Güte: Wie wäre es mit einem Zeichen, dass Ingenieurskunst, Mobilität und Kultur vereint. Oder - kostengünstiger - mit einer Ankündigung und ein bisschen Absperrband. Das dürfte dank S21 den Wiedererkennungswert der Stadt am ehesten bedienen.



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